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About the artwork
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Toute la mémoire du monde
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| Thomas Wulffen |
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| Toute la mémoire du monde / Alles Wissen der Welt |
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| Fischer/ El Sani, Galerie Eigen+Art, Berlin, 21.01.06 - 18.03.06 |
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| Kunstforum, Bd.180, S. 282, Cologne, 2006 |
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Nina Fischer, Maroan el Sani
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Toute la mémoire du monde / The world's knowledge
Berlin, 2006 |
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Thomas Wulffen
Toute la mémoire du monde / Alles Wissen der Welt
Fischer/ El Sani, Galerie Eigen+Art, Berlin, 21.01.06 - 18.03.06
Kunstforum, Bd.180, S. 282, Cologne, 2006
Der Einblick in die Galerie durch die zwei Schaufenster, in deren Mitte sich die Eingangstür befindet, ist verschlossen. Der Besucher steht vor einer Art Bücherwand. Die weißen Regale aber sind leer. Das es sich bei der ‚Mauer’ tatsächlich um eine Art Bücherregal handelt, wird einem erst bewusst, wenn man sich der Projektion widmet, die auf der Rückseite der Wand zu erleben ist. Die Wand ist Teil der Gesamtinstallation mit dem Titel ‚Toute la Mémoire Du Monde / Alles Wissen dieser Welt. Was auf der zweigeteilten Projektion zu sehen ist, ist ein Einblick in die alte Bibliotheque National de France, die heute leer steht. Die Arbeit stammt von dem Künstlerpaar Nina Fischer und Maroan El Sani, die seit 1993 zusammen arbeiten. Im Jahre 2005 waren sie für ein Jahr in Paris an der Cité Internationale des Arts im Rahmen eines Auslands-stipendiums der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Berlin. Fünfzig Jahre vorher hatte Alain Resnais unter dem Titel ‚Toute la mémoire du monde’ einen Film zur Bibliotheque National de France erstellt, der dessen Funktionsweise darstellt und vorführt. Nina Fischer und Maroan El Sani finden die Bibliothek leer vor, ohne Bücher, ohne Publikum und ohne Funktion. Das wird festgehalten in zwei Kamerafahrten und Fotografien. Was dabei entstanden ist ein strukturalistisches Meisterwerk, das seine Struktur offen legt und gleichzeitig auch im Verborgenen. Das gelingt vor allem durch die Einbeziehung von Schauspielern in das ‚leere’ Setting. Die Kamera-bewegungen sind sozusagen am Vorbild Alain Resnais orientiert, ihre strikten Blickrichtungen und Parallelbewegungen gliedern sowohl den Raum als auch die Ansicht des Raumes durch den Betrachter. Dabei ist die Doppelprojektion von entscheidender Bedeutung. Denn einerseits teilt sie den Blick, andererseits verweist sie direkt auf die Zweiteilung der Bibliothek in Magazin und Lesesaal. Allerdings wird nur der Lesesaal in einer Doppelprojektion zusammengeführt. In ihm agieren auch die Schauspieler, die die Leere der Bibliothek sozusagen dramatisieren. Eine lächelnde Figur wird der Ansicht von leeren Regalen gegenüber gestellt und die Verbindung erzwingt fast eine Deutung des Gesehenen. Dabei ist festzustellen, dass der Film mit einer Dauer von 7:30 Minuten zum Ende hin eine fast erzählerische Struktur erhält: Die Frau, die mit ihrer Hand auf ein Objekt zielt. Ein Beitrag dazu leistet auch die Begleitmusik von Patric Catani.
Es ist die Schlussszene des Films, der einen Doppeltitel aufweist: Toute la mémoire du monde/ Alles Wissen dieser Welt. Der französische Titel ist die Referenz auf Resnais und die Reverenz vor dem Regisseur des Films ‚Letztes Jahr in Marienbad’ unter anderen. Der deutsche Titel ‚Alles Wissen dieser Welt’ irritiert auf den ersten Blick, aber er ließe sich deuten auf die zunehmende Digitalisierung der Welt, die zwar immer mehr Wissen erfassen kann, aber deren Zugang auch Beschränkungen unterworfen ist. Während das Wissen der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nach der Katastrophe des zweiten Weltkriegs tatsächlich auch Erinnerung war und ist, scheint ein digitales Gedächtnis fast einem Paradox gleich zu kommen. Denn es scheint so als lösche jede weiterer Digitalisierungsprozess auch zum Teil das Original. Zumindest tritt es gegenüber der digitalen Kopie immer stärker in den Hintergrund. So liegt dann auch so etwas wie ein melancholischer Schleier über diese ganz spezifische Ansicht dieser Bibliothek. Der Film wird ergänzt durch vier Farbfotografien, die die Ansichten im Film noch mal aufnehmen und in einem klassischen Medium festhalten. Der Film selbst wurde von einem 35mm Film auf zwei DVD transferiert, um eine Doppelprojektion zu ermöglichen. Mit der Ausstellung erweist sich Judy Lybke als kompetenter Händler, denn er kann mit dem Werk von Fischer/El Sani auch jenen Kunden etwas bieten, denen Matthias Weischer nicht so zusagt. Gibt es diese Kunden noch? Es wäre in diesem Falle wirklich zu wünschen.
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Nina Fischer, Maroan el Sani
Toute la mémoire du monde / The world's knowledge
Berlin, 2006
„There are indications of a time, when all riddles will be solved, a time, when this universe and others will provide/deliver their keys. And this is simply because their readers, who are facing a piece of universal knowledge, will bit by bit find fragments of the same secret, that has a very beautiful name and calls itself felicity.“ (in Alain Resnais movie „Toute la mémoire du monde“, 1956)
The old Bibliothèque Nationale de France in the centre of Paris is currently vacant in major parts. The 11 floors of the stockroom and a capacious reading room are left unexploited.
In 1956 this library was the setting for a movie of Alain Resnais, the director of “Hiroshima mon amour” and “Last Year in Marienbad”. In his 20 minute documentary “Toute la mémoire du monde” Alain Resnais shows how the library functions as a storehouse of the world’s knowledge; how, on an ordinary day books, magazines, plans and other treasures arrive, get catalogued and find their way into the archives, to be thus available for the reader in the reading room, who, as he says, internalises a part of the universal knowledge by reading and thus receives a “key”.
50 years later: We find the location vacated. An apocalyptic scenery. The knowledge has vanished. The pictures of the empty reading room and the empty stockroom immediately imply the loss of that “key”, the gateway to knowledge.
Analogous to the movie by Alain Resnais we filmed the location using slow tracking shots. In a double projection thousands of stocking room shelves without books flash by and in the reading room the camera merely captures a handful of young people, whiling away their time. Amongst the waiting people the withdrawal of knowledge provokes first signs of resentment, first signs of rebellion. |
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Nina Fischer, Maroan el Sani
Toute la mémoire du monde / Alles Wissen der Welt
Berlin, 2006
«Hier deutet sich eine Zeit an, in der alle Rätsel gelöst werden, eine Zeit, in der dieses Universum und einige andere uns ihre Schlüssel liefern. Und das ganz einfach, weil ihre Leser, die vor einem Stückchen des universellen Wissens sitzen, Stück für Stück Fragmente eines selben Geheimnisses finden werden, das vielleicht einen sehr schönen Namen hat, und sich Glück nennt.» (aus dem Film «Toute la mémoire du monde» von Alain Resnais, 1956)
Die alte Bibiothèque Nationale de France im Zentrum von Paris steht zur Zeit zu großen Teilen leer. 11 Etagen Magazin und ein großer historischer Lesesaal liegen brach.
Diese Bibliothek war 1956 Schauplatz eines Films von Alain Resnais, dem Regisseur von "Hiroshima mon amour" und "Letztes Jahr in Marienbad". In seinem 20-minütigen Dokumentarfilm "Toute la mémoire du monde" zeigt Alain Resnais, wie die Bibliothek als Speicher allen Wissens dieser Welt funktionierte, wie an einem normalen Tag Bücher, Zeitschriften, Pläne und andere Schätze dort ankommen, katalogisiert werden und ihren Weg in die Archive finden, um von dort wieder dem Leser in den Lesesälen zur Verfügung gestellt werden zu können, die, wie er sagt, durch das Lesen der Bücher ein Stück des universellen Wissens verinnerlichen und somit einen "Schlüssel" erhalten.
50 Jahre später: Wir finden den Ort leer vor. Ein apokalyptisches Bild. Das Wissen ist verschwunden. Die Bilder des leeren Lesesaals und der leeren Magazine implizieren sofort den Verlust dieses "Schlüssels", den Zugang zum Wissen.
Analog zum Film von Alain Resnais haben wir den Ort mittels langsamer Kamerafahrten aufgenommen. In einer Doppelprojektion ziehen tausende Magazin-Regale ohne Bücher vorbei, und im Lesesaal streift die Kamera lediglich eine Handvoll junger Leute, die dort die Zeit verstreichen lassen. Der Wissensentzug ruft bei den Wartenden erste Anzeichen des Unmuts, erste Anzeichen eines Aufstands hervor. |
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Nina Fischer, Maroan el Sani
Toute la mémoire du monde
Berlin, 2006
«Ici se préfigure un temps où toutes les énigmes seront résolues, un temps où cet univers et quelques autres nous livreront leurs clefs. Et cela simplement parce que ces lecteurs, assis devant leur morceau de mémoire universelle, auront mis bout à bout les fragments dn même secret, qui a peut-être un très beau nom, qui sappelle le bonheur.“ (Extrait du film «Toute la mémoire du monde» d‘Alain Resnais, 1956)
Au coeur de Paris, la vieille Bibiothèque Nationale de France est déserte. Les onze étages de rayonnages et la célèbre grande salle de lecture sont vides.
En 1956 Alain Resnais, l‘auteur „d‘Hiroshima mon amour“ et de „L‘année dernière à Marienbad“, y tournait un film documentaire de vingt minutes intitulé „Toute la mémoire du monde“, dans lequel la bibliothèque apparaissait comme l‘entrepôt de tout le savoir du monde.
Au cours d‘une journée comme tant d‘autres, des dizaines de livres, journaux et autres trésors y étaient réceptionnés, puis enregistrés pour ensuite trouver leur place dans les archives et être mis à la disposition d lecteurs dans la salle de lecture.
Lecteurs qui s‘appropriaient ainsi un morceau de ce savoir universel et donc, comme le disait Alain Resnais, s‘emparaient d‘une „clef“.
Cinquante ans plus tard : nous trouvons ce lieu vide. Vision apocalytique. Le savoir a disparu. Les images de la salle de lecture et des rayonnages vides induisent immédiatement la perte de ces „clefs“ et donc de l‘accès au savoir.
De la même façon qu‘Alain Resnais, nous avons filmé ce lieu en lents travellings. En double projection, des milliers de rayonnages vides défilent et dans la grande salle de lecture, la caméra glisse sur quelques jeunes gens qui regardent le temps passer. La privation de savoir réveille en eux les premiers signes de grogne, les premiers signes de révolte.
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