Nina Fischer & Maroan el Sani  
 

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Stefan Heidenreich      
Die Berliner Clubs        
Aus dem Buch "Klub 2000", Hrsg. Nina Fischer, Maroan el Sani, Maas Verlag, ISBN: 3-929010-53-4 Berlin, 1998   pdf german      
       
JDV      
Künstlerporträts (22): Nina Fischer & Maroan El Sani      
Frankfurter Rundschau, 22.06.2002   pdf german      
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Anthony Bond
Nina Fischer & Maroan el Sani, Phantomclubs Berlin/Liverpool
Trace, exhibition catalogue, The Liverpool Biennial of Contemporary Art in Association with the Tate Gallery, ISBN: 0 9536761 0 2, Liverpool, 1999   pdf
 
Nada Beros
Nina Fischer and Maroan el Sani:
archaeology of transition and collective amnesia
Criss Cross, exhibition catalogue, Contemporary Croatian and German art, Museum of Contemporary Art, Zagreb, 2005   pdf
 
Nina Fischer, Maroan el Sani
Turbo clubs – nocni turbo-klubovi, Zagreb
Criss Cross, exhibition catalogue, Contemporary Croatian and German art, Museum of Contemporary Art, Zagreb, 2005   pdf
 
 

Stefan Heidenreich

Die Berliner Clubs
Aus dem Buch "Klub 2000", Hrsg. Nina Fischer, Maroan el Sani, Maas Verlag,
ISBN: 3-929010-53-4 Berlin, 1998

Sperrholz und Resopalplatten zu einer Theke, ein, zwei alte dkk-Kühlschränke, zwei Lautsprecher, Plattenspieler, ein paar Lampen - es braucht nicht viel, um einen Club einzurichten. Inmitten einer solchen Grundausstattung setzt sich eine bewährte Veranstaltung fort - trinken, Drogen nehmen, reden und Musik hören - Funktionen der Stammkneipe, des Salons, des Kaffeehauses oder, um etwas weiter in die Vergangenheit zurückzugehen, des Trinkgelages, auf altgriechisch: Symposion. Was in Berlin in den 90er Jahren zu einer kulturellen Keimzelle wurde, verdankt seine Entstehung dem Fall der Mauer und dessen Folgen. Die wohl wichtigste Voraussetzung dafür, daß sich ab 1990 eine lebhafte Szene kleiner Clubs in Berlin entwickeln konnte, bestand im Überfluß an ungenutzten Räumen. Die Verwaltung der alten DDR-Hauptstadt hatte seit 1975 am Stadtrand Neubausiedlungen wie zum Beispiel Marzahn errichtet und planmäßig Bewohner der stark sanierungsbedürftigen Häuser in Bezirk Mitte dorthin umgesiedelt. Die Altstadtviertel der Mitte, besonders die Spandauer Vorstadt, sollten auf lange Sicht für eine großzügige sozialistische Hauptstadtplanung freigeräumt werden. 1990 standen viele Wohnungen und ganze Häuser leer.
Seit fast einem Jahrzehnt ist man nun dabei, die Immobilien des Ostens in das ökonomische System des Westens einzugliedern. Haus für Haus, Block für Block arbeiten die Gerichte die Restitutionsansprüche tausender Alteigentümer ab, die entweder von den Nazis oder vom Arbeiter- und Bauernstaat enteignet worden waren. Solange die Besitzverhältnisse nicht geklärt sind, befindet sich der Raum im Schwebezustand. Niemand steckt Geld hinein, niemand verlangt dem Haus Geld ab. Außerhalb des alles regierenden finanziellen Kreislaufs stehend werden die leeren Räume des Berliner Ostens zu klassischen Beispielen von Orten, die Michel Foucault "Heterotopien" genannt hat - "wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplazierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können." Die leeren Räume bleiben nicht lange ungenutzt. Wo der große Geldkreislauf mangels Besitzrechts keinen Zugriff hat, richten sich Ereignisse ein, die die Heterotopien zu wirksamen Orten machen. Kohlenkeller, leerstehende Gewerberäume und Wohnungen werden oft genug unter Billigung oder Vermittlung von Angestellten der ehemaligen kommunalen Wohnungsverwaltungen der DDR genutzt. Eine Vielzahl der Clubs in Mitte verdankt ihre Existenz der tatkräftigen Hilfe von Jutta Weitz, angestellt bei der Wohnungsbaugesellschaft Mitte. Ohne jeden amtlichen Auftrag hat sie damit vermutlich mehr zum kulturellen Leben Berlins beigetragen als manche millionenschwere Subvention.
Der Club füllt den heterotopischen Ort mit Leben und kultiviert in dem Biotop ungeschriebene soziale Regeln, die oft sehr erheblich von denen der ökonomisch rentablen Vergnügungsstätten abweichen. Es gibt keine wirkliche Finanzkalkulation, die sich über dem Raum entfaltet, sondern bestenfalls einen minimalen ökonomischen Rahmen, der Dienstleistungen unter Freunden abgleicht. Ungleich wichtiger wird der Ort als ein Treffpunkt einer offenen, aber dennoch umrissenen Gruppe von Leuten. Der Ausschluß und der Einschluß von Publikum wird wenigstens ebenso genau gelenkt wie in einem der großen Nachtclubs, ohne daß er in einer Zurückweisung vor der Tür offensichtlich wird. Das soziale Leben der kleinen Clubs ist eine Frage der Information. Neben der Mund-zu- Mund-Propaganda greift man auf die sogenannten "Micro-Media" zurück - Flyer, Wandzettel oder Mailing-Listen. Aber die Informationspolitik eines Clubs soll ihn nicht nur bekanntmachen, sondern auch verstecken - im Wechselspiel von Tarnung und Werbung werden die Besucher ausbalanciert. Die Strategien des Verbergens greifen dabei eine Haltung auf, die an die alte sozialistische Dienstleistungsmentalität erinnert, wo der Kunde nicht König und das Geschäft egal war. So kursieren Flyer, die zwar für ein Ereignis und einen Ort werben, aber keine Adresse verraten. Öffnungszeiten von Clubs sind oft sehr unregelmäßig, monatelang geschieht nichts und dann wieder nur spärlich über wenige Termine verteilt. Zwischen 1994 und 1996 gab es im Bezirk Mitte für jeden Wochentag einen Club, der nur an diesem Tag geöffnet hatte - man ging in die Montagsbar, Dienstagsbar, u.s.w.. Eine Mittwochsbar am Ufer der Spree wurde 1997 so bekannt, daß sie den Ansturm von über 400 Besuchern nicht mehr bewältigen konnte. Seit Sommer 1998 sind die Termine nun im Sechstagerhythmus gestreut, so daß immer zu unterschiedlichen Wochentagen geöffnet ist. Andere Clubs geben ihre Veranstaltungen über eine Mailingliste bekannt, wie die monatlich stattfindende Mikro-Lounge im WMF.
Um dem immer stärker werdenden Touristenstrom nach Berlin zu entgehen, verstecken Clubs nicht nur ihre Öffnungszeiten, sondern auch sich selbst so gut es geht. Sie sind zwar als Heterotopien noch zu verorten, aber nur für Ortskundige. Kaum ein Eingang zu einem Club läßt sich tagsüber als solcher erkennen, von Namensschildern oder Leuchtreklamen keine Spur. Nachts muß man als Besucher in dunkle Hinterhöfe gehen, über Schutthaufen steigen oder durch angelehnte Stahltüren eintreten. Je näher ein Club an den Adern des hauptstädtischen Tourismus liegt, desto besser muß er sich verstecken. Nur wer weiß, wo was läuft, findet hin. Jedem Club entspricht ein Informationsnetz, das wirksamer als alle Türsteher ein bestimmtes Publikum auswählt. Zu den unerwünschten Besuchern zählt nicht nur die Masse auf der Suche nach nächtlichen Vergnügen, sondern auch Angestellte von Ordnungsämtern, da die Clubs zumeist ohne entsprechende Lizenzen betrieben werden. Tarnungen als Kunstveranstaltungen oder Vereinsheime werden toleriert, solange sie nicht in allzu offensichtlichen Barbetrieb ausarten.
Intern funktioniert ein Club als kulturelle Unterscheidungsmaschine, die durch Musik, Besucher und Gespräche soziale Zuordnungen erzeugt und weitervermittelt. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich wenig von anderen kulturellen Orten, seien es Fitness-Studios, Cafés, Opern, Galerien oder Einkaufszentren, die alle ihre Identifikationsmuster anbieten und Unterscheidungen auf Kunden und Besucher verteilen - Funktionen, die nach dem französischen Sozialphilosophen Pierre Bourdieu das Feld der Kultur allgemein kennzeichnen. "Die Logik, nach der die Felder der Kulturproduktion funktionieren, und die Kontraststrategien, die ihrer Dynamik zugrunde liegen, bestimmen die Produkte - ob Modeschöpfungen oder Romane - dazu, differenzierend zu wirken, als Hilfsmittel, mit denen sich Kontraste kenntlich machen lassen, und zwar zunächst zwischen den Fraktionen, sodann zwischen den Klassen." Das Produkt des Clubs ist eine Art differenzierender Dienstleistung, die in der einfachen Tatsache besteht, hier zu sein und nicht anderswo, und hier eine bestimmte Gruppe in einer bestimmten Umgebung zu treffen.
Was Clubs aus einer Reihe anderer gesellschaftlicher Unterscheidungs-maschinen heraushebt, ist die Verbindung von minimalem finanziellen Einsatz und manchmal hohem kulturellen Risiko, aber man muß den Begriff des Risikos gegen sein Gewinnversprechen kehren, um ihn auf die Situation anwenden zu können. Ein Club befindet sich in einem labilen Gleichgewicht, das stets zu kippen droht - seine Kontraststrategien müssen zugleich ausschließen und einschließen. Sie bilden eine begrenzte soziale Gruppe und ein Spektrum kultureller Differenzen aufeinander ab. Was anderswo als Aneignung bestimmter Produkte und damit über Dinge, Konsum und Zeichen läuft, wird im Club zu jedem Termin aufs Neue hergestellt. Ein Gleichgewicht kann nur gehalten werden, solange kein wirtschaftliches Interesse auf Expansion drängt und die kulturelle Differenz kein Trend wird. Dank ihrer heterotopischen Lage sind die kleinen Clubs in Berlin finanziell so unabhängig wie in kaum einer anderen Stadt. In London sorgen allein die Eintrittspreise dafür, daß die meisten Clubs Wochenendveranstaltungen für Berufstätige und finanziell gut versorgte Jugendliche sind. Vergleichbar unabhängig funktio-nieren dort nur die zahlreichen Piratenradios, die im Gegensatz zu Berlin nicht kurzerhand zum Schweigen gebracht werden. Sie sorgen ähnlich wie Clubs in Berlin für einen raschen Austausch musikalischer Neuheiten, ohne allerdings ein Publikum an einem Ort zu versammeln.
Obwohl der Club ökonomisch seiner Umwelt zuwiderläuft, läßt er sich als Zentrum eines kulturellen Widerstands oder als subversive Kraft, wie sie die Ideologien der 60er und 70er Jahre forderten, nicht länger vereinnahmen. Der Unterschied zwischen einem 'Underground' und einem sehr vielfältig gewordenen 'Mainstream' läßt sich kaum mehr klar ziehen, und die Erfahrung zeigt, daß sich Trends desto eher verbreiten, je mehr sie sich als Gegenposition und Widerstand stilisieren.
Die Tage der Clubs sind von Anfang an gezählt. Es gelingt selten, einen Ort über längere Zeit zu erhalten. Wenn er zu bekannt wird und sich die "Szene"-Bedeutung allzu weit herumspricht, stehen die Betreiber vor der Alternative, zu schließen, um sich von Neuem und besser verstecken zu können, oder ihn in einen gängigen Nachtclub zu verwandeln. Das begrenzte soziale Biotop gerät in Bedrängnis, sobald ein unkalkulierbar großes Publikum sich Unterscheidungsgewinn verspricht. So kam es etwa während der Kunstmesse 1997 dazu, daß ganze Horden kunstbegeisterter Trendsetter auf der Suche nach den angesagtesten Clubs die Berliner Mitte durchstreiften.
Mit der Bekanntheit eines Clubs geht der Verfall seiner sozialen Unterscheidungskraft einher. Er folgt darin dem Gesetz der Informationstheorie, daß etwas desto informativer ist, je unwahrscheinlicher es als Ereignis auftritt. Das Informationsnetz um einen Club herum kennt immer zwei Seiten - ein Publikum, das weiß, wo "man" hingeht, und ein anderes Publikum, das es wissen will. Wenn es alle wissen, ist die Information wertlos, und der Club als soziale Unterscheidungsmaschine existiert nicht mehr. Auf dem Abstieg zur öffentlichen Bekanntheit taucht der Ort dann zuerst im Adressenverzeichnis lokaler Veranstaltungsführer auf, um schließlich, wenn sein Niedergang besiegelt ist, in internationalen Reiseführern erwähnt zu werden. Selbst dann noch läuft er als Unterscheidungsmaschine weiter, aber nur noch in Form eines Theaters, in dem die ehemaligen Besucher wie Eingeborene ihre Stammestänze aufführen. Die Maschine erzeugt keinen Unterschied mehr, sondern exportiert nur noch und verliert sich dabei. Wie lange ein kleiner Club übersteht, ist von Fall zu Fall verschieden - manchmal dauert es Jahre, manchmal nur wenige Wochen.
Nicht nur nach einer inneren Logik schreitet ein Club auf seine Auflösung zu, sondern auch nach einer äußeren Uhr läuft die Zeit der Berliner Clubs ab. Dieselbe weltpolitische Lücke, der sie ihr Entstehen verdanken, ist auf dem Weg, wieder geschlossen zu werden. Wenn das letzte Haus in Mitte rückübereignet ist, und Investoren flächendeckend ihre Claims abgesteckt haben, hört die Zeit der Clubs auf. Wie alle Orte werden sie wieder Teil einer Verwertungslogik, die Räumen eine finanzielle Leistung abverlangt. Die Ausnahmesituation, die die Heterotopie gewährt hatte, wird verschwinden. Eine "professionalisierte" Clubszene stellt dann das soziale Leben in den Dienst der Aufgabe, Gewinn abzuwerfen. Daß solche Retorten das kulturelle Feld nicht berühren, zeigte der aus Kunstkreisen finanzierte Versuch einer Hochglanzbar namens "Speed", die sich nach wenigen Monaten als unrentabel erwies. Die Tendenz zur zwangsläufigen Verkopplung von kulturellem Feld und ordentlichem Barbetrieb wird sich erst dann durchsetzen können, wenn der unordentliche Barbetrieb der Clubs ein Ende gefunden hat.
Die Heterotopien des Stadtzentrums sind auf dem Rückzug. Wo 1996 noch das Technics mittwochs und manchmal freitags seine Gäste sah, erhebt sich demnächst ein internationales Bankenzentrum. Ausgehend vom Potsdamer Platz droht eine Kultur der Glanzlichter mit integrierter Zahlungsfunktion den Fluß der kulturellen Unterscheidung in wirtschaftlich unterentwickelte Viertel drängen, zurück in die Kieze, die West- und Ost-Berlin so lange ausgemacht haben und weiter hinaus an die Ränder der Stadt, die Gewerbegebiete, Autobahnen, Flughäfen, in jenes rundum gegenwärtige Marzahn, in das man die Bewohner des Stadtteils Mitte einst umgesiedelt hatte.

Michel Foucault: Andere Räume, S. 39. In: Karlheinz Barck , Peter Gente, Heidi Paris und Stefan Richter (Hrsg.): Aisthesis, Leipzig 1990, S.34-46, vgl. Sarah Thornton: Club Cultures, Cambridge 1995, S.137ff, Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede, Frankfurt am Main 1987, S. 368, vgl. Günther Jacob: Kunst, die siegen hilft! In: Kunstforum 134, Mai-Sept 1996, S.132-139, vgl. S. 138: "Pop-Subkultur als Subversionsmodell ist strukturell nicht mehr möglich [...]. Ein Gegensatz zwischen kulturellem 'Underground' und (angeblich homogenem) kulturellem 'Mainstream' existitiert nicht mehr."

 
 

JDV
Künstlerporträts (22): Nina Fischer & Maroan El Sani
Frankfurter Rundschau, 22.06.2002

Sie heißen "Interflug", "Suicide Club", "Kunst + Technik" oder "Dienstagsbar" und liegen in Berlin-Mitte. Nur Eingeweihte wissen, wo sie sich befinden und wann sie geöffnet haben. Sie sind auf Flüchtigkeit hin angelegt: Von einem auf den anderen Tag können sie verschwinden, um eventuell an einem noch heißeren Hotspot wieder aufzutauchen. Diese "Phantomclubs" sind fester Bestandteil von Berlins Nachtszene. Wer den angesagtesten - und damit am besten versteckten - kennt, weist sich als Insider aus.
Nina Fischer & Maroan El Sani leben in Berlin und kennen die Clubs. Doch ihre Arbeit für die Manifesta zeigt nicht die Nacht, wenn der Club brummt und die Szene lebt. Sie fotografieren die Eingänge am Tag, wenn die Türen geschlossen sind und die Besucher noch ihren Rausch ausschlafen oder gerade peinlich berührt neben einer Person aufwachen, die am Abend vorher noch etwas anders aussah.
Die verrammelten Türen, dunklen Hinterhofflure, diskreten Treppen und schiefen Tore wirken, als hätten sie selbst einen gehörigen Kater und scheuten das Tageslicht, weil es zu sehr in den Augen brennt. Nichts vermittelt sich mehr vom lebendigen Treiben der Nacht. Kein Hinweis gibt Hilfestellung, dass es sich hier um den Zugang zu einer begehrenswerten Welt handelt. Es sind vergitterte Abgänge mitten auf einem Straßenbahnsteig, mit Ketten verrammelte Blechtore, die sich - halb aus den Angeln gerissen - wie hilfesuchend aneinander lehnen, oder verlotterte, mit Holzplatten vernagelte Türen neben zugemauerten Fenstern. Es sind verlassene, vergessene, leblose Orte ohne Identität mitten in Dreck, bröckelndem Putz und alten Graffiti.
Seit 1993 arbeiten Fischer und El Sani zusammen und spüren mit detektivischer Akribie und bewaffnet mit Fotoapparat, Computer oder Videokamera, der Frage nach: Was bleibt, wenn die Menschen ihr Terrain verlassen haben? Sie selber bezeichnen ihr Vorgehen sehr treffend als "Aura-Forschung". Sie kratzen den Lack von der Oberfläche ab, um zu sehen, was sich verbirgt, um das dahinter Liegende hervortreten zu lassen. In ihrem Film Berlin (sunrise) - 10 Sek. an die Zukunft denken etwa bitten sie junge Menschen beim morgendlichen Verlassen eines Clubs (vielleicht einer der oben erwähnten?), sich zehn Sekunden darauf zu konzentrieren, was ihnen die Zukunft bringen wird oder soll. Bei dem Blick nach innen fallen die erlernten Posen der Coolness ab. Und für einen Moment kommt etwas zum Vorschein, das sich jenseits von angesagten Kleidungscodes und aufgesetzten Verhaltensmustern bewegt. So ist es wohl auch mit den Eingängen der Phantomclubs: Sie lassen die Maske fallen.
 
 


JDV

Artist portraits (22): Nina Fischer & Maroan El Sani
Frankfurter Rundschau, 22.06.2002

They are called Interflug, Suicide Club, Art and Technology or Tuesday Bar and our situated in Central Berlin. Only insiders know where they are located and when they're open. They are designed for ephemerality. They can disappear from one day to the next in order perhaps to pop up once more at an even hotter hot-spot. These phantom clubs have become a fixed feature of Berlin's night-life. Those who know the most ‘in’ places and thus the ones which are best hidden, prove themselves to be insiders.
Nina Fischer & Maroan El Sani live in Berlin and know the clubs but their work for Manifesta does not show the night when the club is buzzing and the night-life is stirring. They photograph the entrances by day when the doors are closed and the clubs’ patrons are still sleeping off their intoxication or waking up with some embarrassment next to a person who looked rather different the night before.
The locked doors, dark back passageways, discreet staircases and crooked gates look as though they had a hang-over themselves and were avoiding the daylight because their eyes were burning. There is nothing to be sensed of the lively activity of the night. There is no sign to tell you that here is the entrance to one of the most desirable worlds. They are barred entrances in the middle of a pedestrian walkway, metal gates locked with chains, doors boarded over with wooden planks next to windows that have been bricked in. They are desolate, forgotten, lifeless places without identity in midst of garbage, crumbling plaster and old graffiti.
Fisher and El Sani have been working together since 1993 and with the precision of detectives, equipped with camera, computer and video camera, they pursue the question: What happens when people have left their terrain? They themselves describe their procedure very aptly as aura research. They scratch off the paint on the surface to see what is hidden behind it, to allow what is behind to come forth. In their film Berlin (sunrise) – Think of the future for ten seconds, for instance, they ask young people leaving a club (perhaps one of those mentioned above) in the early hours of the morning to concentrate for ten seconds on what the future will bring or should bring. On becoming introspective, the practised poses of coolness melt and for a moment something becomes manifest which is situated beyond the prescribed dress codes and the artificial templates of behaviour. It is probably similar with the entrances to the phantom clubs; they allow their masks to fall.

 
 

Anthony Bond

Nina Fischer & Maroan el Sani, Phantomclubs Berlin/Liverpool
Trace, Exhibition catalogue, The Liverpool Biennial of Contemporary Art in Association with the Tate Gallery, ISBN: 0 9536761 0 2, Liverpool, 1999

Nina Fischer and Maroan el Sani have been photographing the entrances to temporary nightclubs in Berlin. Because they are illegal, these venues are often only occupied for one night, and the signs of the event are ephemeral graffiti and posters. The artists were invited to seek out and document similar events in Liverpool, a city famous for its club life. As it turned out, Liverpool did have such clubs 10 or 15 years ago, but these have now become established venues The artists decided not to show the entrances of these more established spaces, but instead to find obscure sites where a club could have been (or might one day be). They brought with them posters made from their Berlin photographs, which they put up near the entrances of these phantom sites. They then rephotographed the posters in situ. The resulting photographs will be run off as a poster series and pasted around Liverpool, suggesting potential or fictitious club sites.
Back in the gallery space the Berlin club photographs and the phantom images will be hung together. Fischer and El Sani have made interesting comparisons between Berlin and Liverpool Where as Berlin has been attracting thousands of young people since the early ‚90s, Liverpool has been partially emptied since the decline of its shipping industry. Like the Mitte of Berlin when the wall first came down, there are whole areas of empty buildings that lend themselves to informal occupation. In Berlin this happened spontaneously. First came the squatters, many of whom were artists. The authorities accepted and even encouraged their activities just to get life back into the streets.
It was in this climate that the clubs and bars flourished. „Liverpool is hoping for new inhabitants they point out. „There are already a lot of young people, coming into town.
Maybe the time will soon come when they need the space. Then the houses in the abandoned streets can be used again. We have already had a look around the streets, and there are places we would like to turn into bars or clubs.“

 
 


Nada Beros

Nina Fischer and Maroan el Sani:
archaeology of transition and collective amnesia
Criss Cross, exhibition catalogue, Contemporary Croatian and German art, Museum of Contemporary Art, Zagreb, 2005

Nina Fischer (Emden, 1965) and Maroan el Sani (Duisburg, 1966), have been working as a pair since 1993. In their work they most often make use of photography, film, video and installation. One of their central themes is transition, going-over from one state to another. It is the very moment of transition that is the elusive spot that they attempt to record in their lens of camera or video camera. In a series of works at the end of the nineties and the beginning of the new century these artists investigate the problem of abandoned premises and the possibility of changing their use. Working in Berlin, in a city in which the traces of the half-century-long division into East and West are still visible, they have such places as part of their everyday reality, but they are also spots of collective amnesia (Palast der Republik Part 1-3, 2001.-2004.; =-273,15°C=,0 Kelvin, 2004). It need arouse no wonder that Fischer and El Sani, who are anyway very sensitive to slight shifts in the social issue, easily found suitable material for the development of a project started off in Berlin and continued in Liverpool under the common title Phantom Clubs (1998-1999). Occupied with the urban youth culture, in this project they explored the subculture places in Berlin and then in Liverpool, photographing them by day, when these places reveal nothing of their real purposes, go into clubs and into places that might very well be turned into club hang-outs. In Zagreb the initial idea about phantom clubs turned into a wide-ranging enquiry into abandoned and hidden places, meant for a narrow and dedicated set of visitors, which the artists put into four categories. What fascinated them in Zagreb was the speed with which the places varied, witnessing to the rapid social changes that happened in this part of Europe during the last twenty or so years. Hence they called the project Zagreb Turbo Nightclubs, alluding to the speed of the motor, but also to the turbofolk phenomenon that they met here for the first time.
In a series of 21 photos, though the restricted optics of clubbing, the artists track the turbulent social changes that remain concealed to the superficial eye. Like archaeologists of the transition, they detect and peel off layers of epochs that have an ever-shorter life. The cult clubs of the eighties, in the time of communism, had another appearance and a pro-western public; the nineties, with the war and the transition brought on the one hand the exclusive clubs for the young, and on the other the minority turbofolk clubs. The new millennium has brought pluralist tendencies, where alongside each other there are the abandoned squats now meant for exclusive visitors, institutes of clubs, study places in a sense, often grant-aided by foreign foundations, the city or the state, populist places on the edge of town with the most diverse of publics.
The artists give back a work that was created in the public space to the public space – in the form of posters that will illegally occupy the places of the previous clubs and places of some future gatherings.

 
 


Nina Fischer, Maroan el Sani

Turbo clubs – nocni turbo-klubovi, Zagreb
Criss Cross, exhibition catalogue, Contemporary Croatian and German art, Museum of Contemporary Art, Zagreb, 2005

When we came to Zagreb in August 2005, we were looking for hidden places, clubs that are invisible at first sight. After the first scouting the locations, we found out, that there are different categories of hidden places. Perhaps because they‘re not in the official club guide, or are already closed or not even opened, hidden on purpose or camouflaging, they were difficult to find for quite different reasons. Altogether, they reflect the time of night between former Yugoslavia, the early post-communism years, the changes during and after the war in the beginning of nineties, until the latest tendencies of the beginning 21st century.
The range is between popular places of the 80ies, visited by younger generations oriented towards Western culture, that are already closed; Turbo Folk Clubs, a phenomenon that came up in the 90ies, mostly visited by a Serbian minority for folkloristic ethnic reasons, that have now changed and feature mtv-like dancefloors, where the younger generation of Croatian clubbers, still small kids during the war, is dancing their nights away to dance beats mixed with folkmusic samples; further unlabeled alternative clubs, that have always been trendsetters for the subculture from the 80ies to today, that appeared and partly disappeared with the changing times; night-clubs, more or less exclusive for all kinds of disco and dancefloor crowds; and others, still invisible, that still have to be found for the new crowd like the very young Croatian hip-hop scene that is nowadays making fun of and parodying the mafia and porno aesthetic of turbofolk, and various other new and upcoming trends.
Because a new club is always standing for a new image, a new location, that has not been branded by a certain style or time, is like a white sheet of paper or a brand new hard disk, it can be formatted. Ready to store new memory.
These clubs, all together, reflect the transition from a socialistic to a capitalistic system. These changes always seem to go very fast, speeding up like a turbo motor. The clubs have also simultaniously rapidly changed: the club-scene, the music, style, design, attitude, ...., and that is why we like to call the series: Nocni turbo-klubovi, Zagreb

Kulusic, Tekstilac, Tockica, Attack, Nec, Pasha, Fontana, Carda, Mama, Mocvara, Sidro, No.1, Jednica, KSET, Horvacanska 32, Badel, Pothodnik, Branimirova, Francuski Paviljon, Klaonica, Paromlin